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Kategorie: Reich Gottes

In diesen Beiträgen geht es um das Reich Gottes.

Der R-Faktor der Gemeinde Jesu

In den letzten 2 Jahren haben wir uns ausgiebig mit dem sogenannten R-Faktor beschäftigt. Jeden Abend wurde er uns gemeinsam mit den Infiziertenzahlen in allen Nachrichtensendungen präsentiert. Schnell haben wir gelernt, dass das Ziel aller Maßnahmen sein muss, den R-Faktor unter die Zahl 1 zu drücken. Denn nur dann war gewährleistet, dass die Zahl der mit Corona infizierten Menschen nicht weiter anstieg. Geht die Zahl über 1, sagt das aus, dass jeder Kranke mindestens einen gesunden Menschen infiziert – es kommt zu einer exponentiellen Steigerung. Geht die Zahl unter 1, läuft die Pandemie langsam aus.

Was hat das aber alles mit dem Reich Gottes zu tun?

Eines Nachts wachte ich auf und ein Gedanke schoss mir durch den Kopf: Der R-Faktor der Gemeinde Jesu ist weit unter 1. Ich hatte eine Zahl mit 0,01 vor Augen.

Ich war erschrocken, weil mir durch die ständige Präsenz des R-Faktors sofort klar war, dass es hier zu keiner Ausbreitung des Reiches Gottes kommen würde. Mir war schon länger bewusst, dass der Anteil der wiedergeborenen Christen in Deutschland und Europa verschwindend gering ist, aber eine so kleine Reproduktion? Aber wenn die Zahl stimmt – und ich befürchte, dass es so ist – dann sollte uns das aufwecken. Oder haben wir uns bereits damit arrangiert, dass in vielen Ländern dieser Erde die Gemeinde Jesu wächst, sich das Reich Gottes ausbreitet, aber bei uns in Deutschland nicht? Viele Untersuchungen und Studien beschäftigen sich mit diesem Thema. Immer neue Marketingmaßnahmen sorgen schließlich dafür, dass gerade neue und junge Gemeinden wachsen, die Zahl der Gottesdienstbesucher zumindest bei diesen Gemeinden steigt. Bedeutet das, dass bei diesen Gemeinden der R-Wert über 1 liegt? Leider nein! Denn wenn das so wäre, würde die Zahl der Nachfolger Jesu im Umfeld dieser Gemeinden exponentiell steigen – aber das ist leider nicht festzustellen. Wie kommt das? Was läuft falsch? Wo müssen wir dringend umdenken? Welche Aufgabe haben wir als Gemeinde Jesu?

Noch eine wichtige Anmerkung: Hier geht es nicht um den Mitgliederschwund der großen Kirchen. Darüber wird genug geschrieben und diskutiert. Das ist nicht mein Anliegen, zumal es mir in diesem Post um wiedergeborene Christen, also um Nachfolger Jesu geht.

Gibt Jesus selbst einen R-Faktor vor?

Schauen wir doch mal, was Jesus selbst sagt.

Erst einmal sagt Jesus, dass die Ernte reif ist. Und das nicht erst in den letzten Jahren, sondern bereits seit 2000 Jahren. Seit Jahrzehnten reden wir davon, gibt es Prophetien, dass eine große Endzeiternte eingebracht werden wird. Vermutlich sind wir uns darin einig, dass wir am Ende der Zeit angekommen sind. Dass Jesus bald wiederkommen wird. Und hierzu macht Jesus konkrete Aussagen:

Matth. 24:40 – Dann werden zwei auf dem Feld sein, der eine wird genommen, der andere wird zurückgelassen. Zwei werden auf der Mühle mahlen; der eine wird genommen, un die andere wird zurückgelassen.

Lk. 17:34-36 – Ich sage euch: In dieser Nacht werden zwei in einem Bett sein; der eine wird genommen und der andere wird zurückgelassen werden. Zwei werden miteinander mahlen; die eine wird genommen, die andere wird zurückgelassen werden. Zwei werden auf dem Feld sein; der eine wird genommen und der andere wird zurückgelassen werden.

Oder nehmen wir das Gleichnis der 10 Jungfrauen – 5 bleiben draußen, kommen also nicht zur Hochzeit – aber und das ist für mich die wichtigere Zahl in diesem Kontext. Fünf kommen zur Hochzeit – nehmen am Hochzeitsmahl teil!

Wenn man diese Worte Jesu ernst nimmt und nicht nur als Metaphern sieht, muss man davon ausgehen, dass Gottes Plan von einer Quote von mind. 50 % der Weltbevölkerung ausgeht. Heute würde das bedeuten, das rund 4 Milliarden Menschen Nachfolger Jesu wären. Jesus will, dass alle Menschen gerettet werden und nicht nur eine Handvoll. Und ganz praktisch und damit besser zu verstehen: Jeder zweite Arbeitskollege, jeder zweiter Nachbarn, jeder zweite … – sie sollen mit uns gemeinsam im Reich Gottes leben! Das ist Gottes Plan, dafür kam Jesus, dafür lebte er auf dieser Welt und letztlich starb er genau dafür.

Ich denke, dass diese Bibelverse die Dringlichkeit klarmachen und damit der R-Faktor im Kontext der Gemeinde Jesu eine ganz besondere Bedeutung bekommt, über die es sich lohnt, nachzudenken. Gleichzeitig müssen wir aber erkennen, dass wir nicht mehr so weiter machen können, wie wir es in den letzten Hunderten von Jahren getan haben.

Wenn wir wirklich 50 % der Weltbevölkerung zu Jüngern machen wollen und sollen, müssen wir fast alles überdenken, was wir heute tun. Wenn der R-Faktor unter 1 ist, bedeutet das in letzter Konsequenz, dass das Ziel nie erreicht werden wird. Hier können wir wirklich viel aus der Corona-Zeit lernen. Wir wollen das Gegenteil erreichen von dem, was während der Corona-Zeit das Ziel war. Wir wollen alle Menschen mit Jesus infizieren, sie zu einem Leben im Reich Gottes als Nachfolger Jesu einladen. Das funktioniert nicht, wenn wir uns in unsere schönen Gemeindehäuser und Kirchen zurückziehen, uns in Quarantäne begeben. Denn Rückzug bedeutet sinkender R-Wert. Und um dieses Ziel zu erreichen reicht es auch nicht aus, unsere Nachbarn, Freunde etc. zu unseren Gottesdiensten und Veranstaltungen einzuladen. Eigentlich müssen wir von diesem Konzept sogar vollkommen weg kommen. Der Auftrag Jesu an seiner Jünger lautet: „Geht hin in alle Welt“ – er sagte nicht: „Ladet alle Menschen zu euren sonntäglichen Gottesdiensten und Veranstaltungen ein. Dort sollen sie einen Geschmack davon bekommen, wie cool es ist, mit mir unterwegs zu sein.“ Er sprach nichts von Events, von Programmen, von Marketing. Sein Konzept war viel einfacher und letztlich lebte er es drei Jahre mit seinen Jüngern vor.

Jesu Beispiel und Auftrag war ebenso klar wie es einfach war: Lebt gemeinsam als meine Nachfolger. Steht für einander ein, liebt euch, ermuntert euch zu einem verbindlichen Leben, helft einander, unterstützt einander, kümmert euch umeinander. Niemand soll in der Gemeinde Not leiden, habt alles gemeinsam. Von dieser besonderen Art des Zusammenlebens wird solch eine Anziehungskraft ausgehen, dass immer mehr Menschen das auch haben wollen. Daran wird man erkennen, dass ihr meine Jünger seid.

Und das geht nur, wenn wir für die Welt sichtbar sind, also in der Welt sind. Möglichst viele Beziehungen in die Welt haben, zu Menschen, die Jesus noch nicht kennen. Die noch nicht erlebt haben, was es heißt, im Reich Gottes zu leben. Jesus als Erretter, Erlöser und König zu kennen. Wie wollen wir Botschafter an Christi statt sein, wenn wir keinen Kontakt zu Menschen außerhalb des Königreichs haben.

Ich finde es verblüffend, dass dort, wo die Gemeinde Jesu, wo jeder einzelne Jünger verfolgt wird, dass dort die Gemeinde teilweise mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit wächst – und das ganz ohne Events und Programme.

Es wird Zeit, dass wir anfangen unser persönliches Leben und unser Gemeindeleben, unser Miteinander zu resetten und ganz neu starten. Die jetzt laufenden Programme sind falsch programmiert und werden immer wieder nur zu den gleichen traurigen Ergebnissen führen, die wir in der Vergangenheit erreicht haben und niemals dazu führen, dass zum einen alle Menschen das Evangelium vom Reich Gottes gehört haben und dann auch darauf reagieren können. Vor allem wird es auch nie möglich sein, die so oft herbeigeredete große Endzeiternte aufzufangen, sprich diese Menschen zu Jüngern zu machen, die wiederum andere jüngern. Das geht nur, wenn wir anfangen, als Gemeinde im kleinen so zu leben, wie wir es in der Bibel sehen. Wenn wir anfangen, andere Menschen an unserem Leben teilhaben zu lassen, sodass sie Lust und eine Sehnsucht nach diesem Leben zu bekommen.

Kommen wir nun zu Corona zurück. In der Zeit von Corona kam es zu einem Stop der „normalen“ Gemeindearbeit. Plötzlich waren keine Events mehr möglich, die Programme funktionierten nicht mehr. Aber anstatt Gott zu fragen, ob er dieses Stop nicht wollte, erfand man sich online mal eben neu. Die Events und Veranstaltungen wurden gestreamt, um möglichst viele bei der Stange zu halten. Statt die Menschen zu ermuntern, mehr persönliche Zeit mit Gott zu verbringen, sich in kleinen Kreisen zu treffen und sich auszutauschen gab es plötzlich morgens die „Stille Zeit“ im Internet, der Hauptpastor der Gemeinde persönlich hatte jeden Morgen ein Wort für seine Leute. Letztlich wurden so Menschen an Menschen gebunden und nicht an Jesus! Trotz aller Verbote war aber das Treffen in kleinen Kreisen bis auf wenige Ausnahmen eigentlich jederzeit möglich und wäre eine große Chance gewesen.

Unsere Nachbarn waren offen wie nie für das Evangelium, sie hatten Angst und wir hätten ihnen Zuversicht und Mut geben können. Gleiches gilt auch jetzt. Die Angst ist da – vor einem Krieg, davor, dass das Geld nicht reicht oder den Arbeitsplatz zu verlieren.

Ich bin dankbar für die vielen kleinen Kreise, die sich während Corona gefunden haben und die Chance genutzt haben. Es ist nie zu spät für ein Reset, einen Neustart. Wenn du dabei Unterstützung brauchst, stehen wir dir gerne zur Verfügung. Nutze einfach das Kontaktformular und melde dich bei uns.

Und zum Schluss noch ein spannender Gedanke zur Selbstreflexion: In der Bibel heißt es, dass alles erschüttert werden muss, damit der Unerschütterliche bleibt / sichtbar wird. Genau an diesem Punkt stehen wir. Wird das Unerschütterliche, nämlich das Reich Gottes durch mich, durch dich, durch uns sichtbar? Wenn nein, wie kann ich das ganz praktisch ändern?

Jesus – das Licht der Welt

Gerade in der Adventszeit und an Weihnachten wird viel über Licht geredet, über die wunderschön erleuchteten Städte, Häuser und Wohnungen. Wir freuen uns über das Licht, da es ansonsten auf der Nordhalbkugel ja jetzt eher dunkel ist. Es sieht fast so aus (und wahrscheinlich ist es auch so), dass die Menschen regelrecht nach Licht hungern.

Auch in der Weihnachtsgeschichte spielt das Licht eine große Rolle. Die drei Gelehrten aus Persien hatte ein besonders hell leuchtender Stern im Sternbild der Jungfrau auf ein besonderes Geschehen in Israel aufmerksam gemacht. So machten sie sich auf den Weg, immer den hellen Stern als Navigation und Ziel vor Augen.

Desto näher sie dem Stern kamen, desto heller wurde es. (Das ist übrigens auch ein geniales Bild dafür, was es bedeutet, wenn wir Jesus an uns heranlassen und eng mit ihm leben).

Jesus greift in seinen Reden auch immer wieder das Thema Licht auf und macht deutlich, der er als das Licht in die Welt gekommen ist.

Ich bin als ein Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt. (Joh. 12:46)

Letztlich ist das der Grund für Jesu Kommen, für Weihnachten. Jesus kam als Säugling auf diese Welt, er wurde in einfachsten Verhältnissen geboren, um das Licht in die Welt zu bringen. 

Die Juden damals litten unter der Besatzung durch die Römer, für sie war vieles dunkel. Seit ca. 400 Jahren hatten sie nichts mehr direkt von Gott in Form von Prophetien gehört. Sie lebten – auch nach eigenem Verständnis – in keiner guten Zeit. Sie waren orientierungslos, wurden von der Religion unterdrückt. Die Gesetzeslehrer, die damalige geistliche Elite, die eigentlich über das Gesetz wachen sollten, verdrehten es nach eigenem Gutdünken. Immer neue Auflagen, Gebote, Verbote schränkten die Freiheit ein, verlangten immer neue Dinge vom Volk. Es herrschte eine regelrechte Angst vor Gott. Jesus wirft genau das den geistlichen Leitern vor. Immer mehr, immer mehr – und die Menschen schafften es nicht. Sie waren auf verlorenem Posten.

Hatten sie noch Hoffnung?

Ja, tief in ihrem Inneren war da noch ein Hoffnungsschimmer, dass irgendwann der Messias, der von Gott Gesalbte kommen und sie befreien würde. Und genau diese Prophezeiung erfüllte sich an Weihnachten. Aber nur wenige verstanden sie. Viele erkannten es nicht, weil es ihre Vorstellungskraft sprengte, dass Gott selbst in Jesus als kleines Baby auf die Erde kam. Sie hatten einen triumphalen Auftritt des Messias erwartet. Aber Gottes Plan war ein anderer – Jesus wurde als Baby geboren, ein Mensch, vor dem keiner Angst haben musste und während seines gesamten öffentlichen Wirkens präsentierte er ihnen Gott als einen Vater, der sie liebte und den eine ungeheuere Sehnsucht nach einer engen Beziehung zu seinen Geschöpfen antrieb.

Daher fordert Jesus sie immer wieder auf, doch an ihn zu glauben, damit sie nicht länger in der Finsternis unterwegs sein müssen. Jesus wollte und will Orientierung und Sinn ins Leben bringen.

Und heute?

Auch heute, in der viele Dinge unsicher werden, man sich fragt, was ist hier eigentlich los, brauchen wir neue Orientierung. Aber wir werden diese Orientierung nicht bei Menschen finden, bei Idolen, die durch die Medien und Social Media hochgelobt werden – nein, echte Orientierung finden wir nur bei Jesus. Wenn man Jesus nicht als Herrn und König in seinem Leben hat, wird man orientierungslos bleiben und die Ängste, die in dieser Zeit immer mehr Hochkonjunktur haben, werden immer mehr überhand nehmen. 

Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt (Joh. 9:5)

Was aber jetzt? Solange Jesus in der Welt ist, ist er das Licht der Welt. Aber was bedeutet das? Die Menschen können Jesus nicht sehen, sie können nicht erkennen, was es bedeutet, mit ihm unterwegs zu sein, ihm zu folgen und so Orientierung zu bekommen. 

Und genau da ist nun der Auftrag Jesu an uns: 

Ihr seid das Licht der Welt. Es kann eine Stadt, die auf einem Berg liegt, nicht verborgen bleiben. (Mt. 5:14)

Aus „Ich bin das Licht der Welt“ wird „Ihr seid das Licht der Welt“ – wie ist das möglich. Ganz einfach: Weil Jesus in uns lebt, wenn wir an ihn glauben, sind wir das Licht der Welt. Das Licht Jesu scheint durch uns in diese Welt. Durch uns kommt Jesus zu den Menschen. Ist uns das eigentlich bewusst? Der Nachsatz von Jesus, dass man eine Stadt, die auf dem Berg liegt (und die leuchtet) nicht übersehen kann, ist ein Hinweis darauf, dass die Menschen das sehr genau erkennen werden. Ich glaube, es ist höchste Zeit, dass wir unser Licht nicht unter den Scheffel stellen, dass wir die Stadt, die eigentlich auf dem Berg und für alle sichtbar sein sollte, in einem engen tiefen Tal verstecken. Wir haben in der westlichen Welt noch die Möglichkeit, ohne wirkliche Einschränkungen leuchten, sprich unseren Glauben ausleben und von Jesus erzählen zu können. Warum nutzen wir das so wenig?

Unser Auftrag heute ist es, Licht zu sein

Das bedeutet, dass wir den Menschen durch unser Leben zeigen, was es bedeutet im Licht zu leben, im Reich Gottes, unter der Königsherrschaft Gottes zu leben. Unser Leben soll einen Unterschied machen. Nur dann werden die Menschen fragen, was bei uns anders ist, warum wir so anders drauf sind. Warum wir vielleicht ruhig bleiben, wenn um uns herum alles chaotischer, unsicherer wird. 

Gerade wenn es unsicherer wird, wenn gefühlt keiner mehr weiß, wo es langgeht, dann wird Orientierung gebraucht. Diese Orientierung wird dann leider häufig bei Menschen gesucht und vermeintlich auch gefunden, bei Lichtgestalten, die eine Antwort bieten, die medial gehypt werden, die rhetorisch gut drauf sind. Aber das ist keine echte Orientierung – keine echte Antwort auf die Frage, wie es denn weitergehen soll in diesem Land, mit dieser Erde. Die Menschen suchen Antworten, finden sie aber nicht. 

Licht zu sein in dieser Situation bedeutet, dass wir den Menschen vorleben und sagen:

  • dass es einen Gott gibt, der die Antworten hat, der selbst die Antwort ist
  • der es gut mit den Menschen meint. 
  • dem die Menschen so wichtig sind, dass er in seinem Sohn Jesus auf diese Erde kam, um den Menschen Hoffnung zu geben. Leben zu geben – ewiges Leben. 
  • der die Menschen nicht alleine lässt, sondern sie immer wieder zu sich ruft. 

Wir sollen als Botschafter des Reiches Gottes unterwegs zu sein. Nicht aus eigener Kraft, sondern in der Vollmacht des Heiligen Geistes, als Gesandte des Königs aller Könige, mit Zeichen und Wundern, die die Botschaft bestätigen und uns als Botschafter bestätigen. Wir sind aufgerufen, das zu tun, was Jesus getan hat. 

In diesem Sinne wünschen wir allen ein lichtdurchflutetes Weihnachtsfest, nicht nur äußerlich, sondern vor allem im Herzen, weil Jesus da wohnt. Der Herr schenke uns allen viele Möglichkeiten, unseren Mitmenschen den wahren Grund von Weihnachten vorzuleben und zu erzählen. Unser Häuser und Wohnungen sollen zu Botschaften des Reiches Gottes werden, wo die Menschen Jesus begegnen und erleben können – und so bereits einen Vorgeschmack darauf bekommen, wie es ist, ganz im Reich Gottes zu leben.

Frohe und gesegnete Feiertage

Lasst euch nicht … nennen

Im Zuge meiner Arbeit als Coach habe ich vor einigen Wochen ein Buch zum Thema „Jesus als Coach“ gelesen. In diesem Buch geht es darum zu schauen, ob und was man von Jesus für die tägliche Coaching-Praxis lernen kann. Das Buch ist sehr interessant und bestätigt vieles von dem, was ich in der normalen Coaching-Ausbildung gelernt habe. (Jesus als Coach – Lebensgestaltung nach biblischen Grundsätzen | Autorin: Sophie Soria)

In diesem Buch wurde in einem Kapitel eine bekannte Bibelstelle zitiert, die bei Beachtung im normalen Arbeitsumfeld schon viele Probleme verhindern würde.

Es geht um folgende Bibelstelle:

Ihr aber sollt euch nicht ›Rabbi‹ nennen lassen, denn nur einer ist euer Meister, und ihr alle seid Brüder.
Auch sollt ihr niemand hier auf der Erde ›Vater‹ nennen, denn nur einer ist euer Vater, der Vater im Himmel.
Ihr sollt euch auch nicht ›Lehrer‹ nennen lassen, denn nur einer ist euer Lehrer: Christus. (Matth. 23, 8-10 NGÜ)

Interessant ist, dass dieses Thema in vielen Firmen inzwischen zum Thema geworden ist. Immer mehr wird auf Titel verzichtet, selbst Dr. -Titel werden häufig nicht mehr verwendet. Man hat beobachtet, dass dadurch das Miteinander in Unternehmen weniger konfliktbeladen sein kann, weil mehr auf Augenhöhe miteinander kommuniziert wird.

Bei meinen Gedanken zu diesem Thema geht es mir um die Anrede, um den Titel und nicht um den Dienst, das Amt, das ausgeübt wird.

In vielen Gemeinden erlebe ich im Moment aber gerade das Gegenteil. Immer häufiger werden hier Pastoren mit Pastor Willi, Pastor Arthur etc. angesprochen. Auch in der Gemeinde, in der ich Pastor war, wurde es so praktiziert. Von Beginn an hatte ich damit meine Probleme, denn es geschah genau das, was ich nicht wollte. Zumal Gott immer wieder klar über diesen Text zu mir gesprochen und die Warnung, die in dem Text steht, hervorgehoben hatte.

Was geschieht eigentlich, wenn wir unsere Pastoren, Lehrer, Propheten etc. entsprechend ansprechen? Wem ist damit gedient? Warum wird das gemacht?

Gerne wird hier argumentiert, dass Leiter ja eine besondere Verantwortung haben, dass Personen, die lehren, besonders geehrt werden sollen. Das stimmt alles – aber müssen sie deswegen durch einen Titel hervorgehoben werden? Und was heißt das eigentlich, jemanden zu ehren?

In der Regel erzeugt die Verwendung von Titeln nur eines – nämlich einen Abstand zwischen dem „normalen“ Gläubigen und der Leitung. Der normale Umgang ist in dem Moment schon gestört. Zumindest habe ich das immer so empfunden. Ich wollte nichts Besonderes sein, ich wollte nicht über Menschen stehen – ich wollte Menschen dienen. Aber durch den Titel geschah genau das Umgekehrte. Eine Veränderung im Miteinander vor und nach meiner Einsetzung als Pastor war klar zu spüren und zu beobachten. Der Titel sorgte für Abstand (das ist sicherlich auch von manchen Leiter/innen so gewollt). Aber es entspricht ganz klar nicht den Worten von Jesus.

Stellt sich die Frage, warum Jesus diese Warnung so klar ausgesprochen hat. Jesus beantwortet auch diese Frage:

  • Keiner ist größer als der Andere – ihr seid alle Brüder und Schwester
  • Ihr habt nur einen (geistlichen) Vater – und das ist unser Vater im Himmel
  • Ihr habt nur einen Lehrer – und das ist Jesus

Es ist sofort zu erkennen, dass wir uns nicht auf Menschen ausrichten und nach ihnen richten sollen, sondern nach dem, was der Vater und Jesus uns sagen. Wir können und sollen uns untereinander als Brüder und Schwester helfen, unterstützen, ermutigen, ermahnen.

Am deutlichsten wird dieses Problem, wenn ein Mensch als „Heiligen Vater“ angesprochen werden soll, wie es in der römisch-katholischen Kirche bei dem Papst geschieht. Wie kann es sein, dass so ein klares Wort von Jesus so uminterpretiert wird? Beim Papst geht es sogar noch weiter – er sieht sich selbst als Stellvertreter Gottes auf Erden – welch eine Anmaßung!

Durch Jesu stellvertretenden Tod und Auferstehung und unseren Glauben an Jesus können wir direkt zum Vater kommen und ihn Abba – also nicht nur Vater, sondern liebender, liebevoller Papa – nennen.

Jetzt fällt uns das natürlich sehr leicht, uns über den Papst aufzuregen. Aber sind wir denn besser, wenn wir unsere Leiter mit Pastor, Lehrer etc. ansprechen lassen? Nein, denn Jesus erließ dieses Gebot, damit wir nicht in die Falle des Angesehenseins tappen. Er wollte und will uns davor bewahren, dass wir denken, dass andere Personen besser oder mehr wert seien oder dass man sich als Pastor besser fühlt. Und besser sein, heißt hier auch, fehlerloser sein, wie der normale wiedergeborene Christ. Wie viele Pastoren sind genau an dieser Stelle zerbrochen und predigen sich jeden Sonntag ihre Heilsgewissheit neu zu – sie wissen genau, dass sie genauso Fehler begehen, sich falsch verhalten etc. Aber der Pastorentitel verlangt nunmal Perfektion. (Hier stellt sich noch die Frage, ob die Bibel jemals einen Pastor als Leiter der Gemeinde vorgesehen hat – hierzu aber in einem gesonderten Post mehr.)

Jesus will Leiter durch seine Warnung davor bewahren, in die Falle des Stolzes zu tappen und letztlich als Leiter irgendwann ein einsames Leben zu führen. Dieses Gebot ist also, wie bei Jesu Geboten oft, ein Schutz für die Leiter!

Es sei die Frage erlaubt, ob alle die Leiter, die in den letzten Jahren in Probleme gekommen sind und deswegen ihren Dienst nicht mehr ausüben konnten, genauso gescheitert wären, wenn man sie gar nicht erst in die „Stellung“ eines Pastors gehoben hätte, sondern sie als Geschwister wahrgenommen, angenommen und geliebt hätte, die den Dient eines Pastors gemäß dem fünffältigen Dienst ausüben? Ein ehemaliger Leiter in den USA hat das mal sinngemäß so formuliert: Desto weiter er nach oben kam, desto einsamer wurde es für ihn – normale Gespräche auf Augenhöhe waren nicht mehr möglich. Mit wem hätte er sich denn austauschen sollen, aus seiner Sicht gab es keinen. Denn immer bestand die Gefahr, seine Stellung, seine Position aufs Spiel zu setzen. Wie schade – aber hier wird sehr klar, warum Jesus diese Warnung so deutlich ausspricht.

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass die meisten Leiter dienende Leiter sein wollen. Warum macht man sich dann mit einem Titel das Leben so schwer?

Lasst uns dazu übergehen, einander wie in einer Familie mit dem Vornamen anzureden, je nach Kultur vielleicht noch mit Bruder und Schwester. Titel haben jedenfalls im Leib Christi nichts zu suchen. Wir leben unter der Königsherrschaft Gottes im Reich Gottes – nur einem gebührt die Ehre und Anbetung!